Irak

Samstag, 30. September 2017

Mossul in Ruinen ‒ Konflikte verschärft

erschien leicht gekürzt in Ossietzky 18 / 2017, September 2017

„Sie schufen eine Wüste und nannten es Frieden“ – an das berühmte Zitat eines Gegners des römischen Imperiums erinnert die Washington Post in ihrer Bilanz des Sturms auf Mossul (Before and after images reveal the huge destruction in Mosul, WP, 20.7.2017). US-Kommandeure bezeichnen die neun Monate lange Schlacht, in der die Millionen-Stadt der Kontrolle des „Islamischen Staats“ (IS oder arab. Daesch) entrissen wurde, als eine der tödlichsten seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die Tage seines großspurig ausgerufenen Kalifats sind damit gezählt, der Krieg im Irak ist damit jedoch noch lange nicht zu Ende ‒ die Konflikte im Land haben sich im Zuge des brutalen Feldzuges gegen ihn noch weiter verschärft.
 
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Donnerstag, 7. September 2017

Befreiung um jeden Preis - Der Irak nach der verheerenden Schlacht um Mossul

erschien leicht gekürzt in Ossietzky, 15/2017, August 2017
„Wenn man ein einzelnes Word sucht, um die US-Kriegführung der letzten eineinhalb Dekaden zusammenzufassen, würde ich Trümmer vorschlagen.“
Tom Engelhardt, Empire of Destruction - Precision Warfare? Don’t Make Me Laugh, TomDispatch, 20.7.2017
Neun Monate nach Beginn der Offensive auf Mossul, erklärte der irakische Premier Haider al-Abadi die Stadt vom „Islamischen Staat“ (IS oder arab. Daesch) befreit. Auch das Auswärtige Amt feierte dies in seiner Erklärung vom 11. Juli als „großer Erfolg für die irakische Armee, unterstützt durch die globale Anti-IS-Koalition, an der auch Deutschland beteiligt ist.“ Jetzt komme es darauf an, „die Region schnellstmöglich zu stabilisieren, um den Menschen wieder eine Lebensgrundlage vor Ort bieten zu können.“ Deutschland stehe dabei „fest an der Seite der irakischen Bevölkerung.“ Die eineinhalb Millionen Menschen aus Mossul sind davon jedoch offensichtlich ausgeschlossen. Im Unterschied zu den siegreichen Truppen haben die Einwohner der einstigen Metropole keinen Grund zu feiern.
 
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Sonntag, 3. September 2017

Um jeden Preis: Das Massaker von Mossul

Die siegreichen Truppen feiern, die Einwohner der einstigen irakischen Metropole nicht: Die Rückeroberung war Teil eines Vernichtungsfeldzuges
Joachim Guilliard, junge Welt, 31.07.2017, Schwerpunkt Seite 3

Neun Monate nach Beginn der Offensive auf Mossul erklärte der irakische Premier Haider Al-Abadi am 10. Juli die Stadt für vom „Islamischen Staat“ (IS oder arabisch Daesch) befreit. Die Kämpfe mit einzelnen Widerstandsnestern sind jedoch noch lange nicht zu Ende. Dschihadistenzellen operieren offensichtlich noch im gesamten Stadtgebiet.[1] Auch zwei Wochen nach Abadis Siegesmeldung saßen noch 250 Familien aufgrund anhaltender Gefechte in der Altstadt fest.[2]

Im Unterschied zu den siegreichen Truppen haben die Einwohner der zweitgrößten Stadt Iraks keinen Grund zu feiern. Die einstige Metropole liegt, wie Luftaufnahmen zeigen, nach der größten und verheerendsten Schlacht seit der US-Invasion 2003 in Ruinen.[3] Bis zu 80 Prozent der westlich des Tigris gelegenen Viertel sind verwüstet.[4] Alle fünf Brücken über den Fluss sind zertrümmert, der zentrale Krankenhauskomplex ist ausgebrannt, Strom- und Wasserversorgung wurden vollständig zerstört.[5]
 
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Montag, 14. August 2017

Studie: Die Schlacht um Mossul - Der Irak zerrissen durch den Krieg gegen den „Islamischen Staat“, interne Konflikte und äußere Intervention


Studie_Irak

IMI-Studie 2017/11b
Die Schlacht um Mossul

Der Irak zerrissen durch den Krieg gegen den „Islamischen Staat“, interne Konflikte und äußere Intervention
von: Joachim Guilliard | Veröffentlicht am: 3. Juli 2017, aktualisiert am 9. August 2017

Hier die ganze Studie zum Download (PDF)

Das lange dominierende Thema in Bezug auf den Irak war die seit dem 17. Oktober 2016 stattfindende „Schlacht um Mossul“ – und das völlig zu Recht. Allerdings weniger, weil hier, wie es oft heißt, eine Entscheidungsschlacht gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ geschlagen wird, sondern weil sich im Kampf um die zweitgrößte Stadt Iraks zentrale Probleme und Konflikte des geschundenen Landes wie in einem Brennglas bündeln.
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Dienstag, 21. März 2017

Mossul ‒ einer Millionenstadt droht die vollständige Zerstörung

erscheint leicht gekürzt in der vom Informationsprojekt Naher und Mittlerer Osten herausgegebenen Vierteljahresschrift INAMO, Heft 89

Update: Unten wurden Hinweise auf einen aktuellen Beitrag von und ein Interview mit Jürgen Todenhöfer, ein Artikel von german-foreign-policy.com und einen Bericht von Amnesty International zur katastophalen Entwicklung in Mossul aufgenommen.

Nachdem die Allianz aus irakischer Armee, kurdischen Peschmergas und schiitischer Milizen, unterstützt durch massive Luftangriffe einer US-geführten Koalition, Ende Januar den Ostteil Mossuls weitgehend unter Kontrolle gebracht hatte, begann sie am 19. Februar mit der Offensive zur Vertreibung der dschihadistischen Miliz „Islamischer Staat“ (IS oder arab. Daesch) aus dem Westteil der nordirakischen Metropole. Die Regierung in Bagdad spricht von der „entscheidenden Schlacht“. Sie ist jedenfalls die größte seit der Invasion 2003 und ‒ so steht zu befürchten ‒ auch die verheerendste.

War während der Offensive der syrischen Armee zur Befreiung Ost-Aleppos von islamistischen Milizen, die den Stadtteil seit Sommer 2012 besetzt hielten und mehrheitlich dem Daesch bezüglich Ideologie und Brutalität wenig nachstehen, die Situation der verbliebenen Bevölkerung bestimmendes Thema in den Medien, spielte das Schicksal der in der zweitgrößten Stadt Iraks eingeschlossenen Menschen faktisch keine Rolle.
 
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Sonntag, 22. Januar 2017

SOS aus Mossul

Während der von der russischen Luftwaffe unterstützen Offensive der syrischen Armee zur Befreiung Ost-Aleppos von den islamistischen Milizen wie der Al Nusra Front und Ahrar al Sham, die den Stadtteil seit Sommer 2012 besetzt hielten, war die Situation der verbliebenen Bevölkerung bestimmendes Thema in den Nachrichten. Deren Zahl wurde dabei sehr großzügig auf 250.000 Menschen geschätzt und bzgl. Zerstörungen und ziviler Opfer wurde unbesehen die meist stark übertriebene Darstellung der regierungsfeindlichen Kräfte übernommen.
Über die ebenfalls seit Monaten anhaltenden Offensive gegen das von der Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" (Daesch/IS) kontrollierte Mossul erfährt man nur etwas über den Fortschritt der Eroberung der Angreifer. Über das Schicksal der Menschen in der Metropole erfährt man nahezu nichts, obwohl sich dort, trotz der Flucht von weit über 100.000 Menschen, noch ein bis eineinhalb Millionen Bewohner befinden.

Dabei ist Lage der Eingeschlossenen katastrophal und die Zahl der zivilen Opfer der Bombardierungen der US-geführten "Koalition" und der Angriffe der irakischen Bodentruppen immens.
 
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Dienstag, 22. November 2016

Mossul und Aleppo – ein Lehrstück in Doppelmoral und Propaganda

Im syrischen Aleppo Freiheitskämpfer, im irakischen Mossul finstere Barbaren. Der jeweilige Umgang mit den religiösen Milizen in den beiden Städten sagt ­einiges über die Doppelmoral in der Begründung westlicher Politik aus

Ungekürzte Version meines Artikels "Gute Islamisten, schlechte Islamisten" in junge Welt, 14.11.2016, Seite 12 / Thema

»» Druckversion (PDF)

„Ein Vergleich der Berichte über Mossul und Aleppo sagt uns viel über die Propaganda, die wir konsumieren“, schrieb Patrick Cockburn, der renommierte Nahostkorrespondent des britischen Independent am 21. Oktober.[8] Die beiden großen Städte – Aleppo im Norden Syriens und Mossul im Nordirak sind mehrheitlich von Sunniten bewohnt und beide (in Aleppo der Ostteil) werden aktuell von den jeweiligen Regierungskräften belagert und angegriffen, massiv unterstützt von ausländischen Luftwaffen.
 
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Samstag, 6. August 2016

Falludscha: Befreiung durch Zerstörung und Vertreibung

erschien leicht gekürzt in Ossietzky, 14/2016, 2..7.2016

Vier Wochen nach Beginn einer groß angelegten Offensive gelang es der irakischen Armee gemeinsam mit schiitischen Milizen den größten Teils Falludschas einzunehmen. Den Erfolg verdankt sie auch der massiven Unterstützung der US-amerikanischen Luftwaffe.
 
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Sonntag, 12. Juni 2016

Die Auslöschung Falludschas zielt nicht allein auf den IS - irakischer Politologe

„Irakisches Blut ist noch billiger als das von Syrern und Palästinensern“

Der Feldzug gegen den Islamischen Staat aus Sicht eines irakischen Politologen
Niemand sollte Zweifel daran haben, was geschehen wird, wenn Falludscha „befreit“ wird. Konfessionelle Säuberung ist ein etabliertes Programm im Irak.
(siehe dazu auch meinen ausführlichen Artikel "Falludscha erneut unter Belagerung - Die Stadt wird ausgehungert und bombardiert", junge Welt, 01.06.2016,
sowie Battle for Fallujah: Protests Needed against Violations of Humanitarian Law
Rene Wadlow
, TRANSCEND, 13.6.2016)
 
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Freitag, 3. Juni 2016

Falludscha erneut unter Belagerung - Die Stadt wird ausgehungert und bombardiert

An der geschundenen Stadt zeigt sich exemplarisch die Brutalität und Kontraproduktivität des Krieges gegen den „Islamischen Staates“ im Irak
(erschien leicht gekürzt auf der Thema-Seite der jungen Welt vom 01.06.2016)

Siehe dazu auch den dringenden Appell des ehem. schottischen Europa-Abgeordneten Struan Stevenson  für die Menschen in Falludscha
und Jürgen Todenhöfers offenen Brief an US-Präsident Obama: "Nicht schon wieder Falludscha! "

Wer die fürchterlichen Angriffe der US-Truppen auf Falludscha 2004 verfolgte, konnte sich kaum vorstellen, dass der Großstadt am Euphrat noch Schlimmeres bevorstehen könnte. Doch die einstige „Stadt der Moscheen“ wird seit einem erfolgreichen Volksaufstand im Januar 2014 von Regierungstruppen belagert und bombardiert und geriet im Sommer 2014 zudem unter die Herrschaft des »Islamischen Staates«. Seit Februar sind alle Versorgungswege in die Stadt unterbrochen. Die letzten Vorräte sind aufgebraucht, Zigtausende Bewohner hungern. Der Angriff auf die Stadt steht nun kurz bevor. Ihr droht, wie zuvor Tikrit und Ramadi, die weitgehende Zerstörung und der verbliebenen Bevölkerung Racheaktionen schiitischer Milizen.
 
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