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Drei Millionen Stimmen zuviel?

Ein Statement von Irans "Wächterrat" wurde von den westlichen Medien in einer Weise fehlgedeutet, dass es nach Absicht aussieht. Die Falschmeldung gilt vielen nun als Eingeständnis einer Manipulation.

Der für die Überprüfung von Wahlen zuständige Wächterrat gab bekannt, dass in 50 Wahlbezirken die Zahl der abgegebenen Stimmen größer war, als die der registrierten Wähler. In diesen Städten waren ca. 3 Millionen Stimmen abgegeben worden.

Die westlichen Medien erweckten nun den Eindruck, dass 3 Millionen Stimmen zuviel abgegeben worden waren, und verkauften die Mitteilung des Wächterrats als erstes Eingeständnis für einen Betrug und die folgende Richtigstellung für einen unverschämten Rückzieher. (s. z.B. die dt. Flagschiffe der Mussawi Kampagne: FR (mit grünem Hintergrund) "Drei Millionen Stimmen zuviel?" und Spiegel Online, "Irans Wächterrat stellt Wahlbetrügereien fest")

Die Mitteilung bedeutet natürlich keinesfalls, dass alle 3 Millionen gefälscht sind.
 
Tatsächlich bedeutet es zunächst noch nicht einmal, dass überhaupt gefälscht wurde, da man im Iran, anders als hier in Deutschland, an einem beliebigen Ort wählen gehen kann. Dies wird durchaus genutzt - z.B. von Arbeitern, die über die Woche am Arbeitsplatz wohnen. Bei einer Wahlbeteiligung von über 80% kann es dadurch ohne weiteres vorkommen, dass in einzelnen Städten mehr abstimmen, als dort Wähler registriert sind. (Bill Van Auken, Iran: Protests wane as conflict within regime continues WSWS, 23 June 2009)

Update:
Laut Wächterrat gewann Mussawi in einigen der fraglichen Orte, wie Shemiranat. Zudem würden die meisten der 50 Wahlbezirke zu den Badeorten am Kaspischen Meer gehören, sodass die Diskrepanzen einfach eine Folge von "starkem Sommetourismus" sein könnten. (siehe Kaveh L Afrasiabi, Crunching the numbers, Asia Times, 25.6.2009)

Die Ansicht, der Wächterrat habe in 50 Bezirken Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen eingeräumt ist nun fast schon Allgemeingut. Sie fand z.B. auch Eingang in die im übrigen stimmige Erklärung des Bundesausschuß Friedensratschlag zu den Wahlen.

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