Geplänkel um Bohrloch Nr. 4

Der kleine Zwischenfall am Bohrloch Nr. 4. des Fauqi (oder al-Fakka)-Ölfelds an der irakisch-iranischen Grenze hat offensichtlich nur in den westlichen Medien für Furore gesorgt, wo gleich von "Iranische Soldaten besetzten Bohrturm im Irak" und "iranischer Provokation" die Rede war.

Im Irak regte sich niemand besonders darüber aus, in den irakischen Medien war es kaum ein Thema.
 
Offenbar haben in der Tat ein paar iranische Grenzschützer irakische Arbeiter vertrieben, die sich an dem an sich stillgelegten Bohrloch zu schaffen machten. Das Bohrloch liegt zwar auf irakischer Seite, da das Ölfeld auf beiden Seiten gibt es an sich das stillschweigende Überkommen die Quellen hier vorerst in Ruhe zu lassen.

Im wieder kommt es zu kleineren Rangeleien, das letzte Mal im September. Die irakische Regierung war daher auch gleich bemüht den Vorfall wieder runterzuspielen. die schiitischen und kurdischen Regierungsparteien wollen wegen so einer Lapalie nicht die ausgezeichneten Beziehungen zum Iran belasten. Aus Sicht der oppostionellen, nationalistischen Kräfte okkupiert der Iran, via seiner schiitischer Verbündeten viel Gravierenderes, als eine kleine Ölquelle. (s. Reidar Visser, Reactions to the Occupation of Fakka, 20.12.2009)

Der Zwischenfall könnte allerdings vom Iran auch, wie Ben Lando vom Iraq Oil Report vermutet gezielt insziniert worden sein, um kurz nach der 2. Bieterrunde und wenige Tage vor dem nächsten Treffen der OPEC-Staaten die Tatsache ins Gedächtnis zu rufen, dass viele irakische Ölfelder sich in den Iran hinein erstrecken und es noch eine Menge offener Grenzfragen gibt.
Das Fauqi-Feld, 25km lang und 1,5km breit, ist nur eines von einem Dutzend Ölfelder, die direkt an der Grenze liegen. Das Feld, dessen Reserven auf 2 Mrd. Barrel geschätz werden, war unter den Ölfelder, für die der Irak bei der 1. Auktion im Juni Servicevertäge anbot. Es fand sich aber dafür kein Auftragnehmer.
Bei der Auktion vom 11./12. Dezember hat ein von Gazprom geführtes Konsortium einen Auftrag für das Badra-Feld übernommen, dass sich ebenfalls in den Iran hinein erstreckt.

Da der Iran ohnehin nicht gerade erfreut über die irakische Pläne ist, seine Produktion in ein paar Jahren zu verdrei- oder vierfachen, könnte es auch noch eine Warnung an die internationalen Ölkonzerne gewesen sein, erstmal die Finger von den Ölfelder an der Grenze zu lassen.

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