Erneute Absage: Auch Rosa-Luxemburg-Stiftung knickte bei Finkelstein-Veranstaltung ein

Am 26.Februar sollten in Berlin zwei Veranstaltungen mit Norman Finkelstein stattfinden, eine um 17 Uhr bei der Rosa-Luxemburg Stiftung und eine um 20 Uhr in der Trinitatis-Kirche in Charlottenburg. Nach dem üblichen Druck der üblichen pro-israelischer Rabauken zog die Heinrich-Böll-Stiftung ihre Unterstützung für die Abend-Veranstaltung und die Trinitatis-Kirche ihre Zusage für den Raum zurück.

Nun ist auch die RLS eingeknickt und hat ebenfalls unter dem üblichen Vorwand mangelnder Ausgewogenheit den Raum gekündigt. (Presseerklärung der RLS siehe unten). Dabei hatten sich gewichtige Mitglieder der RLS, wie Erhard Crome, noch für die Veranstaltung stark gemacht.
 
Mitveranstalter ist die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost. Deren Vorsitzender, Rolf Verleger hatte schon auf die Absage von Heinrich-Böll-Stiftung hin einen offenen Brief geschrieben und nun auch bereits eine Stellungnahme zur Absage der RLS.

Hier mein spontaner Brief an den Vorstand der wackeren Stiftung:
An den Vorstand der Rosa-Luxemburg Stiftung

Hallo Herr Heine,

ein echtes Trauerspiel: Jedesmal wenn ein jüdischer Intellektueller in Deutschland referieren soll, dessen Kritik an der israelischen Politik etwas radikaler ausfällt, machen die pro-israelischen Randale-Trupps mobil und die Veranstalter und/oder Eigentümer der Veranstaltungsräume knicken ein.

Prominentes Beispiel war unlängst Prof. Ilan Pappe, vor dem die Stadt München ihre Türen schloß und nun macht auch noch die RLS die Schotten dicht, von der man mehr Standhaftigkeit und mehr Interesse am Thema erwartet hätte.

Das Argument "Unser Bildungsauftrag setzt aber unter anderem kontroverse und plurale Debatten voraus" ist offenbar von der Rechtfertigung des Münchener OBs Ude für die Absage an Ilan Pappe abgeschrieben und genauso wenig überzeugend.

Zu fordern, dass für eine "plurale Debatte" bei jeder Veranstaltung beide Seiten vertreten sein müßten, ist ja offensichtlicher Unfug und wird sicherlich auch bei der RLS normaler Weise nicht so gehandhabt.
.
Angesichts dessen, dass kritische Standpunkte zur israelischen Politik in Deutschland einen sehr schweren Stand haben, wäre es zudem sogar wunschenswert, wenn diese etwas bevorzugt würden.

Wenn ich aber sehe, wie leicht die pro-israelischen Störtrupps - die nicht argumentieren, sondern nur diffamieren - eine Veranstaltung nach der anderen torpedieren können, wird es mir ziemlich flau im Magen.

Dass es auch anders geht, hat der Direktor des Deutsch Amerikanischen Instituts in Heidelberg bewiesen. Er hat dem Druck nicht nachgegeben, als die selben Pressure Groups eine Veranstaltung mit dem, bei Zionisten gleichfalls verhaßten, israelischen Journalisten Shraga Elam verhindern wollten.
Das war Zivilcourage, während die RLS es leider, wie es scheint, vorzieht, mit dem Strom zu schwimmen.

Mit freundlichen Grüßen,
Joachim Guilliard
Heidelberger Forum gegen Militarismus und Krieg

P.S.: Ich werde dieses Schreiben auch andere Interessierte weiterleiten.

MEDIENINFORMATION 2010/01

Finkelstein-Vortrag nicht bei der RLS
Rosa-Luxemburg-Stiftung zieht Raumzusage für geplante Veranstaltung zum
Nahost-Konflikt am 26. Februar 2010 in Berlin zurück


Sehr geehrte Medienvertreterinnen und -vertreter,

die Rosa-Luxemburg-Stiftung zieht ihre Raumzusage für den geplanten
Vortrag von Norman G. Finkelstein unter dem Titel "Israel, Palästina und
der Goldstone-Bericht über den Gaza-Krieg" am 26. Februar 2010 in Berlin
zurück.

Dazu erklären der Vorstandsvorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung,
Heinz Vietze, und das geschäftsführende Vorstandsmitglied Florian Weis:

«Wir halten eine Auseinandersetzung mit dem Goldstone-Report für
dringend geboten. Die politische Brisanz eines Vortrages ausschließlich
von Norman Finkelstein zu diesem Thema haben wir allerdings
unterschätzt, als wir im Dezember 2009 einen Raum für dieses Vorhaben
zusagten. Wir bedauern dies zutiefst.

Unser Ansinnen, das Podium am 26. Februar 2010 um einen Gegenpart zu
Norman Finkelstein zu erweitern, ist von den Veranstaltern leider
abgelehnt worden. Unser Bildungsauftrag setzt aber unter anderem
kontroverse und plurale Debatten voraus.

Für eine sachliche und ausgewogene Diskussion zu den Konflikten im Nahen
und Mittleren Osten bereitet die Rosa-Luxemburg-Stiftung gegenwärtig
eine eigene Veranstaltungsreihe vor.»

Für Rückfragen stehe ich Ihnen unter den nebenstehenden Kontaktdaten zur
Verfügung.

Mit freundlichem Gruß,
Henning Heine

--
Henning Heine
ROSA LUXEMBURG STIFTUNG | Presse und Kommunikation | Redaktion RosaLux
tel +49 30 443 10 130 | fax +49 30 443 10 122 | mob +49 173 609 61 03
Franz-Mehring-Platz 1 | D-10243 Berlin
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