Shells Gas Deal mit Irak in Gefahr

Royal Dutch Shell ist als einziger der großen Ölmultis nahe dran, in großem Stil im Irak einzusteigen. Der Konzern konnte sich letztes Jahr mit dem irakischen Ölministerium auf ein lukratives Joint Venture Unternehmen mit Iraks Südgaskompanie einigen, das praktisch das Monopol der Gas-Verarbeitung im Süd-Irak halten würde.

Der Deal könnte jedoch leicht am irakischen Parlament scheitern. Dies wäre ein weiterer großer Rückschlag für "Big Oil" im Irak.
 
Im September letzten Jahres unterzeichneten Shell und der irakische Ölminister eine Absichtserklärung (Heads of Agreement) über eine 49%-Beteiligung an dem Unternehmen und damit auch an den, auf mindestens 4-5 Milliarden Dollar geschätzten Einnahmen.
Einem vertraulichen Dokument zufolge, das der Nachtichtenagentur UPI zuging, würde das geplante gemeinschaftliche Unternehmen ein 25-jähriges Monopol auf die Gas-Industrie Südiraks erhalten und Shell die bedeutendste Rolle bescheren, die ein ausländischer Konzern seit dem Rauswurf von „Big Oil“ aus dem Irak im Öl- und Gassektor innehatte (siehe Ben Lando, "Shell-Iraq gas company is a monopoly, secret agreement shows", UPI, 4.11.2008). Dabei geht es sowohl um Gas, das bei der Ölförderung als Nebenprodukt anfällt, wie auch um die Erschließung und Förderung reiner Gasfelder im Süden Iraks. Shell wäre somit als einziges ausländisches Unternehmen an der Förderung und Vermarktung der irakischen Gasvorräte, den 10. größten weltweit, beteiligt.

Der irakische Parlamentsausschuß für Öl- und Gas will den Deal jedoch verhindern, da es zum einen gesetzeswidrig - noch gilt das alte Ölgesetz - und zum anderen äußerst nachteilig für den Irak wäre. Dem Irak würde nicht nur für lange Zweit ein hoher Anteil an den Einnahmen verloren gehen, Shell hätte z.B. auch das Recht, das Gas innerhalb des Iraks selbst teuer zu den internationalen Marktpreisen zu verkaufen. (siehe "Iraq gas deal in doubt for Shell "Arabian Oil & Gas, 20.4.2009 und
Iraq MPs seeking to revoke Shell gas deal Reuters, 16.4.2009)

Ein Scheitern des Abkommens wäre nicht nur ein Rückschlag für Shell, sondern auch eine weitere Schlappe für das Pentagon, das das Ölministerium mit massiven Druck zu diesem Deal gedrängt hatte. (s. Pentagon Hands Iraq Oil Deal to Shell, AlterNet, 2.10.2008)

Auch sonst sind die USA bzgl. ihres zentralen Kriegsziels, den Öl-Multis den Zugriff auf die irakische Energieressourcen zu erschließen, bisher nicht weit gekommen. Das für diese Vorhaben zentrale Ölgesetz steckt seit 2 Jahren fest.

Und im September 2008 trug Ölminister Hussain al-Shahristani der wachsenden Stärke des nationalistischen Lages Rechnung, indem er sechs unterschriftsreife Verträge mit den grossen westlichen Ölkonzernen Exxon Mobil, Royal Dutch Shell, BP, Total und Chevron annullierte, die die US-Medien bereits als Rückkehr von „Big Oil“ in das irakische Ölgeschäft gefeiert hatten.
Das Ölministerium ließ nun stattdessen ein altes Abkommen aus der Saddam-Ära wieder aufleben, wodurch die China National Petroleum Corporation in den Genuss des Auftrags, für drei Milliarden das Ahdab Ölfeld im Süd-Osten Iraks, zu erschließen.
(siehe Kapitel "Öl-Nationalismus" in meinen Artikel Irak: Besatzungsende nicht in Sicht )

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