Irak - Retter aus der Wirtschaftskrise

Der Vorsitzende der irakischen Gewerkschaft für Industrien, geht davon aus, dass seit 2003 ca. 36.000 kleine und mittlere Unternehmen, das sind 90% der Firmen des Landes, dicht machen mußten. (Iraq’s Closed Factories, The Ground Truth in Iraq, 15.1.2009)

Aus Sicht von Bankern, Investoren und sonstigen Finanzjongleuren hat die katastrophale Lage des Iraks jedoch auch ihre gute Seite. Da der Irak von der Weltwirtschaft weitgehend abgekoppelt ist, ist er - sieht man vom Einbruch des Ölpreises ab - von der Finanz- und Wirtschaftskrise kaum betroffen.
Im Irak fehlt es an allem und da das Land auf Öl schwimmt hat es eine blendende Bonität. Auch wenn die Fördermenge immer noch deutlich unter dem Vorkriegsniveau lag, betrugen die Öl-Einnahmen 2008 immerhin 60 Mrd. Dollar. Kein Wunder dass, wie die Financial Times schreibt "Investoren die Chancen beäugen".
Lost all your money on the stock market? Seen your real estate investments crumble? These days, in the midst of a mind-boggling financial crisis, the idea of investing in Iraq may not seem so crazy.

That is exactly what an increasing, though still small, number of brave investors are doing.
(Investors eye opportunity in Iraq FT 28.4.2009)
Was heißt schon riskant in diesen Tagen, fragt Richard Blakesley, Geschäftsführer des Londoner Private Equity Fonds Fairfax? Wenn man an die Leute denke, die ihr Geld in Papiere steckten, die von den Ratingagenturen als absolut sicher eingestuft wurden, so habe sich der Risikobegriff fundamental geändert. Blakesley will daher in diesem Jahr bis zu 200 Millionen Dollar im Irak zu investieren. Da der Irak von Plastikrohren, Beton, Asphalt bis zur Nahrungsmittelproduktion alles brauche, plane er sogar seinen Irakfonds auf eine Milliarde Dollar aufzustocken.
Und Blakesley ist nicht der einzige Fondsmanager, so die FT, der sich trotz enormer Sicherheitsrisiken "in einem der reichsten Länder der Welt" engagieren will. Auf der Suche nach lukrativen Geschäften trieb es über 250 Banken und Konzerne zur "Invest Iraq"-Konferenz am 30.4.'09 in London. Auf der vom britischen Enwicklungshilfe-Department organisierten Konferenz, der bisher größten dieser Art, war der irakische Regierungschef Maliki mit seinem halben Kabinett vertreten.
Maliki unterzeichnete bei der Gelegenheit auch ein "Investment Promotion and Protection Agreement" (IPPA) mit der britischen Regierung, d.h. ein bilaterales Investitionsschutzabkommen, das Investionen dem britischer Konzerne langfristig, absichert und auch unabhängig von der zukünftigen irakischen Gesetzgung macht. (Greg Muttitt, Britain in Iraq: from Camouflage to Pin-Stripes, niqash 11.5.2009)

Appetit dürfte vielen Interessenten dabei z.B. ein 5 Milliarden Dollar Deal des irakischen Transportminsteriums mit Boing und dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier über die Lieferung von 50 neuen Flugzeugen für die Iraqi Airways und die Ankündigung weiterer lukrativer Geschäfte in diesem Sektor gemacht haben (Multi-billion dollar Iraqi transportation projects to be presented at Dubai summit, AME Info, June 18 - 2008 at 07:20

Dass sich durch solche Geschäfte und Investitionen auch die Lage der irakischen Bevölkerung spürbar verbessert, muß bezweifelt werden. Bekanntlich sind die gut 120 Milliarden Dollar, die offiziell bis Mitte 2008 in den Wiederaufbau des Landes gepumpt wurden – 70 Milliarden davon irakisches Geld nahezu wirkungslos verpufft. (s. Wiederaufbau im Irak - "Ein Betrug größer als Madoff")

Der Chef des Transportministeriums ist der erste Minister der wegen Korruptionsvorwürfen seinen Hut nehmen muß.

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