Kurzer Prozess gegen die Aufklärung von 9-11

(Leserbrief an die Rhein-Neckar-Zeitung)

Vorausgesetzt, es war wirklich Osama Bin Laden, dessen Leiche so schnell im Meer versenkt wurde, so haben die USA ihren Erzfeind nun mit einer „Kill Mission" zur Strecke gebracht, d.h. durch einen gezielten und somit völkerrechtswidrigen Mord auf fremdem Territorium und ohne Wissen deren Behörden.
Ein rechtstaatliches Vorgehen hatte der einstige Hoffnungsträger Obama offenbar so wenig in Erwägung gezogen, wie Vorgänger George W. Bush. Obwohl Bin Laden offiziell als Drahtzieher für die Anschläge am 11.9.2001 gilt, haben die US-Behörden zu keiner Zeit versucht, ihn via Haftbefehl dingfest zu machen. Entweder hatten sie keine Beweise oder sie fürchteten das, was er erzählen könnte - vermutlich beides.

Durch die außergerichtliche Exekution Bin Ladens wird es nun auch kein Gerichtsverfahren geben, die die diesbezüglichen Vorwürfe prüft. Zudem wird, wie der Kölner Völkerrechts-Professors Claus Kreß richtig sagt, Gerechtigkeit für Verbrechen, und seien sie noch so schwer, „nicht durch summarische Hinrichtungen, sondern durch eine prozessförmige Strafe“ durchgesetzt.

Erst die Unterstützung der USA machte Bin Laden in den 1980er Jahren, als es gegen die Sowjetunion in Afghanistan ging, zur Führungsfigur vieler Mudschaheddin. Damals hat er vermutlich seine größten Verbrechen begangen, an Afghanen, die ein moderneres, fortschrittlicheres Afghanistan schaffen wollten.

Ein Bin Laden, der vor einem Gericht Rede und Antwort steht – das wäre der Super-Gau für Washington gewesen. Etwas anders als sein Tod kam daher nie in Frage.

Während die US-Bürger den Tod ihres Erzfeindes feiern, werden vermutlich viele Menschen im Mittleren Osten bei Racheaktionen dafür mit ihrem Leben bezahlen. Die US-Luftwaffe wird daraufhin mit ihren Killerdrohnen an irgendwelchen Verdächtigen Vergeltung üben und dabei auch wieder die zufällig Anwesenden massakrieren – auf dass die Spirale aus Terror und Gegenterror sich munter weiterdreht.

Sehr weit über die Zeit der Indianerkriege sind die USA anscheinend zivilisatorisch nicht gekommen. Der Rest der westlichen Welt hat sich, wie die Reaktionen in Europa – z.B. von Kanzlerin Merkel – auf den Lynchmord zeigen, schon sehr stark angepasst.

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