Sonntag, 12. März 2017

Waffenexporte und Flüchtlinge

Das folgende ist die ungekürzte und mit Quellenangaben versehene Fassung meines Artikels in Ossietzky 5/2017
(»» hier als PDF-Dokument)

Wer Waffen verkauft, wird Flüchtlinge ernten. Deutsche Rüstungsexporte machen da keine Ausnahme. Wie Ende November 2016 bekannt wurde, hat der Bundessicherheitsrat erneut Rüstungsexporte in Krisengebiete in Milliardenhöhe genehmigt, darunter 41.000 Zünder für Artilleriemunition an Saudi-Arabien – Nachschub für den Krieg gegen Jemen. (Rüstungsexport: Deutsche Artilleriezünder für Saudi-Arabien, SPIEGEL ONLINE, 01.12.2016)

Nach den vorläufigen Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums für 2016 summieren sich die genehmigten deutschen Rüstungsgeschäfte mit Ländern des Nahen Ostens im Jahr 2016 erneut auf über 2,5 Milliarden Euro. Aus diesem geografisch begrenzten Gebiet, das im deutschen Sprachgebrauch die arabischen Länder Westasiens und Israel umfasst, kommt nahezu ein Drittel aller Flüchtlinge und Binnenvertriebenen. 2015 waren über 18 Millionen Menschen aus diesen Ländern auf der Flucht. Die Zahl ist 2016 infolge der fortgesetzten Kriege in Syrien, im Irak und im Jemen weiter gestiegen.
 
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Montag, 20. Februar 2017

Syrien: Stimmungsmache vor Friedensverhandlungen ‒ Massenexekution-Vorwürfe von Amnesty International ohne belastbare Beweise

Update: Der Beitrag erschien leicht überarbeitet und gekürzt in unter der Überschrift "Greuelgeschichte über Syrien"in junge Welt, 23.02.2017

„Zwischen 5000 und 13.000 Menschen" seien im syrischen Militärgefängnis Saydnaya "außergerichtlich hingerichtet" worden, meldete Amnesty International (AI) am 7. Februar. Westliche Medien gingen in ihrer Begeisterung über die nützliche Meldung noch über diese grobe Angabe hinaus und sprachen in ihren Schlagzeilen gleich von "über 13.000" Hingerichteten (Report: At least 13,000 hanged in Syrian prison since 2011, AP, 7.2.2017). Die fast zeitgleiche Ankündigung der Wiederaufnahme innersyrischer Gespräche in Genf durch die UNO ging darüber unter.

Der Bericht Syria: Human slaughterhouse: Mass hangings and extermination at Saydnaya Prison, auf dem die Meldungen beruhen, bringt keine überprüfbare Fakten sondern nur Aussagen einer Reihe von Syrern, die offensichtlich der Opposition nahestehen. Viele der Aussagen erscheinen schon beim ersten Lesen, auch ohne genauere Kenntnisse der Gegebenheiten, fragwürdig. Experten bestätigen den Eindruck. Der Organisation geht es mit dem Report nicht um eine juristisch belastbare Untersuchung, sondern ‒ nach eigenen Worten ‒ um das Anfeuern einer Kampagne gegen die syrische Regierung. Entsprechend werbewirksam, Emotionen weckend, ist er aufgebaut.
 
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Dienstag, 7. Februar 2017

Continued Cover-up – Civilian Casualties in the Air War of the US Alliance in Syria and Iraq

The following is a rush translation of the article "Fortgesetzte Vertuschung – zivile Opfer im Luftkrieg der US-Allianz in Syrien und Irak", which was published, slightly abridged, in Ossietzky 25/2016 from December, 17, 2016

When it comes to the military support of the Syrian government in Russia, Western politicians, media, and non-governmental organizations are fairly generous with the numbers of civilian casualties. 2,704 civilians were killed by Russian air force in the first year of their mission, they reported for example in August, referring to data provided from Syrian anti-government organizations. More civilians were killed by "Putin's bombs” than by the "Islamic state" (ISIS or arabic Daesh) were the headlines. [see e.g. Moscow ‘killing more civilians than Isis’ in Syria, Times, August 19, 2016] Concerning the victims of the air war of the US-led alliance in Syria and Iraq on the other hand, it is astonishingly quiet, even though statistics also point to hundreds, if not thousands, of civilian deaths.
 
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Sonntag, 22. Januar 2017

SOS aus Mossul

Während der von der russischen Luftwaffe unterstützen Offensive der syrischen Armee zur Befreiung Ost-Aleppos von den islamistischen Milizen wie der Al Nusra Front und Ahrar al Sham, die den Stadtteil seit Sommer 2012 besetzt hielten, war die Situation der verbliebenen Bevölkerung bestimmendes Thema in den Nachrichten. Deren Zahl wurde dabei sehr großzügig auf 250.000 Menschen geschätzt und bzgl. Zerstörungen und ziviler Opfer wurde unbesehen die meist stark übertriebene Darstellung der regierungsfeindlichen Kräfte übernommen.
Über die ebenfalls seit Monaten anhaltenden Offensive gegen das von der Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" (Daesch/IS) kontrollierte Mossul erfährt man nur etwas über den Fortschritt der Eroberung der Angreifer. Über das Schicksal der Menschen in der Metropole erfährt man nahezu nichts, obwohl sich dort, trotz der Flucht von weit über 100.000 Menschen, noch ein bis eineinhalb Millionen Bewohner befinden.

Dabei ist Lage der Eingeschlossenen katastrophal und die Zahl der zivilen Opfer der Bombardierungen der US-geführten "Koalition" und der Angriffe der irakischen Bodentruppen immens.
 
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Montag, 2. Januar 2017

Fortgesetzte Vertuschung – zivile Opfer im Luftkrieg der US-Allianz in Syrien und Irak

Erschien leicht gekürzt in Ossietzky 25/2016 vom 17.12.2016
Update, 12.1.2017: Opferzahlen des Iraq Body Count für 2016

Wenn es gegen die militärische Unterstützung der syrischen Regierungskräfte durch Russland geht, sind westliche Politiker, Medien und Nichtregierungsorganisationen mit Angaben ziviler Opfer recht großzügig. 2.704 Zivilisten habe die russische Luftwaffe im ersten Jahr ihres Einsatzes getötet, meldeten sie beispielsweise im August, Angaben syrischer regierungsfeindlicher Organisationen ungeprüft weitergebend. Durch „Putins Bomben“ seien damit schon mehr Zivilisten gestorben, als durch den „Islamischen Staat“ (IS oder arab. abwertend „Daesch“).[s. z:B. Russland-Bomben in Syrien - Mehr Tote als durch „ISIS“: 2704 Syrer starben durch Putins Bomben, B.Z. 20.8.2016] Um die Opfer der schon ein Jahr länger andauernden Luftangriffe der US-geführten Allianz in Syrien und Irak hingegen ist es erstaunlich still, obwohl auch hier Statistiken auf Hunderte wenn nicht Tausende Ziviltote hinweisen.
 
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Jan Oberg: Augenzeugen-Bericht von den Zerstörungen und den Menschen im befreiten Aleppo

Der renommierte schwedische Konfliktforscher Jan Oberg, Direktor der „Transnational Foundation for Peace and Future Research“, TFF im schwedischen Lund besuchte vom 10. bis 14. Dezember Aleppo, den Osten wie den Westen. Er wollte sich im Rahmen einer zehntägigen Friedens- und Konflikt-Fact-Finding-Mission selbst ein Bild von der Situation und der Stimmung in der Bevölkerung nach der Vertreibung der letzten Milizen aus der Stadt machen.
In zwei Artikeln ‒ The destruction of Eastern Aleppo und "Humans in liberated Aleppo" ‒ dokumentiert er seine Eindrücke mit zahlreichen Fotos.

Eine Zusammenfassung der übersetzten Auszüge unten erschien in der jungen Welt vom 19.1.2017.

Das, was er in Aleppo gesehen hat, widerspricht in vieler Hinsicht dem Bild, das in den westlichen Medien gezeichnet wird und sich überwiegend auf die nahezu ungefiltert übernommenen Meldungen und Bildern von Gruppen und Personen stützt, die direkt mit den dschihadistischen Milizen verbandelt sind, wenn nicht sogar direkt auf Mitteilungen von "Rebellen"-Führern und -Sprecher (siehe z.B. den Bericht im Stern über den deutscher Islamisten und "Ground Reporter" Abdussamad D. in Aleppo).
 
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Donnerstag, 22. Dezember 2016

Ein Attentäter, der was auf sich hält, hinterläßt stets ein identifizierendes Dokument

Die Chancen auf zuverlässige Informationen über den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin sind bereits in die Nähe des Nullpunkts gesunken.

Wie bei den vorigen Anschlägen scheint das Interesse diverser führender Akteure zu groß zu sein, daraus politisches Kapital zu schlagen, als dass sie sich die super Gelegenheit entgehen lassen würden, die nächsten Säue durchs Dorf zu treiben - mehr Krieg, mehr Bundeswehr in Innern, Verschärfung allg. Überwachung ...

Der Ablauf folgt wieder Schema F. Wieder einmal hat der Terrorist ein Personaldokument zurückgelassen.
 
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Dienstag, 22. November 2016

Mossul und Aleppo – ein Lehrstück in Doppelmoral und Propaganda

Im syrischen Aleppo Freiheitskämpfer, im irakischen Mossul finstere Barbaren. Der jeweilige Umgang mit den religiösen Milizen in den beiden Städten sagt ­einiges über die Doppelmoral in der Begründung westlicher Politik aus

Ungekürzte Version meines Artikels "Gute Islamisten, schlechte Islamisten" in junge Welt, 14.11.2016, Seite 12 / Thema

»» Druckversion (PDF)

„Ein Vergleich der Berichte über Mossul und Aleppo sagt uns viel über die Propaganda, die wir konsumieren“, schrieb Patrick Cockburn, der renommierte Nahostkorrespondent des britischen Independent am 21. Oktober.[8] Die beiden großen Städte – Aleppo im Norden Syriens und Mossul im Nordirak sind mehrheitlich von Sunniten bewohnt und beide (in Aleppo der Ostteil) werden aktuell von den jeweiligen Regierungskräften belagert und angegriffen, massiv unterstützt von ausländischen Luftwaffen.
 
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Sonntag, 16. Oktober 2016

Die Zerstörung Syriens - ein kriminelles Gemeinschaftsunternehmen - Diana Johnstone

Destroying Syria: a Joint Criminal Enterprise
by Diana Johnstone,
CounterPunch, 4.10.2016
http://www.counterpunch.org/2016/10/04/overthrowing-the-syrian-government-a-joint-criminal-enterprise/


Hier einige Auszüge auf deutsch:
(eine vollständige Übersetzung gibt es mittlerweile von Hartmut Barth-Engelbart: http://www.barth-engelbart.de/?p=150010)

"Dies ist eine Ausscheidungsspiel-Situation, in der Sie beide Teamsverlieren lassenmüssen, oder zumindest keinen gewinnen - wir entscheiden uns für unentschieden", sagte Alon Pinkas, ein ehemaliger israelischer Generalkonsul in New York, im Juni 2013 der New York Times. "Lasst sie beide bluten, zu Tode bluten: das ist das strategische Denken hier.
 
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