IPPNW Body Count - englische und "internationale" deutsche Ausgabe


Body Count: Casualty Figures After 10 Years of the »War on Terror«
, International edition, 2015

Die drei IPPNW-Sektionen, USA (Physicians for Social Responsibility, PSR), Deutschland (IPPNW) und Kanada (Physicians for Global Survival, PGS), haben zum 12. Jahrestag des Irakkrieges die internationale Ausgabe der IPPNW-"Body Count"-Studie veröffentlicht.

"Casualty Figures After 10 Years of the »War on Terror« - Iraq, Afghanistan, Pakistan", online verfügbar bei PSR USA sowie bei IPPNW Deutschland.
Siehe auch die Pressemitteilung des IPPNW.

Die im Mai 2012 erstmalig veröffentlichte Studie war zuvor noch einmal aktualisiert worden. In diese 3. Ausgabe sind u.a. auch die Ergebnisse einer neuen Mortalitätsstudie im Fachjournal PLOS (Public Library of Science) Medicine von Oktober 2013 eingeflossen.

Unter Berücksichtigung der Heterogenität der Quellen und der Breite der Konfidenz-Intervalle der statistischen Erhebungen wird die Zahl der Toten aus 10 Jahren Irakkrieg vorsichtig auf mindestens eine Million geschätzt, die des Krieges in Afghanistan auf über 220.000 Opfer und die in Pakistan auf und circa 80.000, auf den 3 zentralen Kriegsschauplätzen zusammen also mehr 1,3 Millionen Todesopfer.

Während die Mainstream-Medien auch die englische Ausgabe ignorierten, fand sie in progressiven Medien und Internetportalen einen recht breiten Widerhall. Über den Umweg der internationalen Ausgabe und die Resonanz in englischsprachigen Medien fand sie als PSR-Studie auch auf deutsch zusätzliche Verbreitung bis hin zum Bundeswehr-Journal.
 

Opferzahlen nach 10 Jahren "Krieg gegen den Terror"

Internationale Ausgabe, deutsch (pdf-Datei)

Report im IPPNW-Shop bestellen
Hans-Christof von Sponeck, ehemaliger UN-Koordinator für humanitäre Fragen im Irak (1998-2000), nennt die Untersuchung im Vorwort "ein mächtiges Aide-Mémoire für die rechtliche und moralische Verantwortung, Täter zur Rechenschaft zu ziehen." Für die US-amerikanischen IPPNW-Sektion unterstreicht die Untersuchung das Ausmaß menschlicher Zerstörung, die weltweit Hass anfeuere, in einer Zeit, in der die US-Regierung neue und erweiterte Militäroperationen im Irak und in Syrien erwäge.
Außerdem liefere “Body Count” den Kontext, um den Aufstieg brutaler Kräfte, wie den des IS zu verstehen, die als Folge der US-Politik weiter gedeihen würden.

Amy Goodman interviewte in Democracy No! Hans von Sponeck und Prof. Robert Gould, Präsident der "San Francisco Bay" Sektion der Physicians for Social Responsibility der das Vorwort zur internationalen schrieb:
Endless War: As U.S. Strikes Tikrit & Delays Afghan Pullout, "War on Terror" Toll Tops 1.3 Million

Sehr ausführlich geht Dahr Jamail auf die Studie ein, nachdem er u.a. auch mich, als Autor des Irak-Teils, interviewte:
Dahr Jamail, Report Shows US Invasion, Occupation of Iraq Left 1 Million Dead, Truthout | Report, 13.04.2015
(Dahr ist ein sehr engagierter Journalist, der während der Besatzung des Iraks mehrmals direkt aus den Kriegsgebieten berichtete und mehrere Bücher über den Irak-Krieg schrieb, das neueste heißt The Mass Destruction of Iraq: Why It Is Happening, and Who Is Responsible)

Der Journalist, Schriftsteller und Fernsehmoderator Neil Clark präsentierte die Studie mit der Überschrift "Causing genocide to protect us from terror".
We also need to counter elite attempts to turn the attention away from Western crimes to crimes committed by other groups in which less people lost their lives.
There’s been talk in European establishment circles of making Srebrenica genocide denial a criminal offence, but as terrible as that massacre was, the indisputable fact is that far more people have been killed by the US and its allies in subsequent years. If Srebrenica genocide denial is made an offence, but denying the genocide caused by the US-led ‘war on terror’ is not, then the double standards will be there for all to see.
Bundeswehr-Journal

Interessanter Weise bekommt unsere "Body Count"-Studie durch die internationale Ausgabe auch eine ausführliche und durchweg positive Würdigung durch das Bundeswehr-Journal:
Christian Dewitz, Rund 1,3 Millionen Tote durch „Krieg gegen den Terror“, bundeswehr-journal, 31.3.2015
"Die Gesamtzahl der Opfer des „Krieges gegen den Terror“, der von Amerikas damaligem Präsidenten George W. Bush unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ausgerufen worden war ..., ist kaum jemals öffentlich diskutiert worden" schreibt das deutsche Militärmagazin. "Offizielle Stellen gaben und geben nur wenig Zahlenmaterial bekannt. Bislang wurden die Opferzahlen meist erheblich zu niedrig angesetzt."
Scharf kritisiert das Magazin auch die Bundesregierung, die als Antwort auf eine Großen Anfrage der Linksfraktion lapidar verkündete, es läge ihr keine Statistik zur Gesamtzahl der seit 2001 von NATO-Truppen verursachten zivilen Opfer in Afghanistan vor. Eine entsprechende Statistik werde nicht geführt.
Schließlich geht es auch auf die Schätzung der direkt durch die Bundeswehr geöteteten afghanischen Zivilisten von Thomas Mickan (IMI) ein.

4 Millionen Musline getötet

Der investigative Journalist Nafeez Ahmed erweitert ausgehend von der IPPNW-Studie das Scope zeitlich und räumlich:
Unworthy victims: Western wars have killed four million Muslims since 1990
In dt. Übersetzung von Einar Schlereth, “Krieg gegen den Terror”:Vier Millionen tote Moslems seit 1990, NEOPresse, 13. Apr. 2015

In einem sehr ausführlichen Artikel geht er das Thema noch allgemeiner an:
Nafeez Ahmed, How the Pentagon is hiding the dead - The secret campaign to undercount the ‘war on terror’ death toll in the Middle East, Central Asia, and Latin America, 21.4.2015

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