"Feste feiern, wie Sie fallen!"



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Wenn NATO-Krieger Jugendliche erschießen, dann ist das für BILD und diverse CDU und FDP-Politiker natürlich nicht der Rede wert. Doch wehe, jemand hängt eine harmlose Karikatur über die Bundeswehr auf, dann ist die Empörung groß.

Die Linkspartei-Abgeordnete Yvonne Ploetz aus Blieskastel hatte sich das Plakat ihres Jugendverbandes ['solid] an die Tür ihres Berliner Büros gehängt. Doch wenn es um den deutschen Wehrwillen geht, muß das Recht auf freie Meinungsäußerung zurückstehen: die Polizei hat laut einer Erklärung von Yvonne Ploetz das Plakat entfernt.

Das lief sogar noch glimpflich. Wegen einer satirschen Ankündigung einer Aktion am "Ehrenmal der Bundeswehr" rückte die Polizei gleich zur Razzia an, durchsuchte den Berliner Buchladen “Schwarze Risse” und beschlagnahmte dessen PCs. Die Wehrkraftzersetzung wird nun als "Volksverhetzung" und "Beleldigung" verfolgt.
 
Die DFG-VK Berlin-Brandenburg und das "Büro für antimilitaristische Maßnahmen" (BamM!) hatten ein Flugblatt mit dem Titel "Feste feiern, wie sie fallen" verteilt in dem sie ankündigten, am "Ehrenmal der Bundeswehr" Schampus zu trinken, wenn der nächste Soldat in Afghanistan "fällt".

Doch nicht nur Behörden und Bellizisten regen sich auf, es häuften sich auch die Distanzierungen aus den eigenen Reihen. Besonders heftig reagierte dabei wieder einer der eifrigsten Tugendwächter der Friedensbewegung, Jürgen Grässlin: (Die DFG-VK steht am Scheideweg)

Tag Y
Natürlich kann man sich über den Stil und praktischen Nutzen der Aktion streiten, aber aufregen sollte man sich doch über das, was die satirisch angegriffe Truppe vor Ort treibt.

Die Antimilitaristen aus Berlin-Brandenburg erinnern in dem Zusammenhang an das Kundus-Massaker und die Einstellung des Ermittlungsverfahren gegen den Hauptverantwortlichen vor Ort, Oberst Georg Klein. Sie betonen in einem jW-Interview, dass sie durch die Provokation aufrütteln und die "Heimatfront schwächen" wollten.
Die Bundeswehrführung versucht, Soldaten mit öffentlichen Gelöbnissen, der Verleihung von Tapferkeitsmedaillen im Eisernen-Kreuz-Stil und eben mit dem Ehrenmal zu heroisieren. Wenn Politiker fast aller Parteien ständig betonen, daß die Soldaten den Rückhalt der Gesellschaft benötigen, um motiviert und erfolgreich ins Gefecht zu ziehen, sagen wir: Nein, den verdienen sie nicht, sie verdienen nicht Ruhm und Ehre, sondern Verachtung.

Das wird Soldaten aber nicht bekehren.

Nein, aktive Soldaten kaum. Aber eine solche Verächtlichmachung kann vielleicht Jugendliche, davon abhalten, zur Bundeswehr zu gehen. Und schließlich wollen wir Friedensbewegte ansprechen. Denn der Krieg dauert jetzt fast neun Jahre, unsere Aktionsformen aber stagnieren viel zu sehr auf dem Niveau der alten »Friedenszeiten« in den 1980ern. Wir brauchen neue Ideen, neue Kampagnen, und wir alle müssen uns fragen, wie wir die Heimatfront schwächen können.
In einem längeren Interview in ZivilCourage 1/2010 begründen zwei AktivistInnen ihre Motivation noch ausführlicher.

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